FLÜSTERER
Der Flüsterer wirkt bewusst anders als ein klassisches Monster. Kein riesiges Maul, keine gewaltigen Klauen, kein Gegner, der schon aus der Ferne nach Bosskampf aussieht. Stattdessen erscheint er beinahe zerbrechlich: eine schmale Gestalt, viel zu große Augen und eine Hand, die ständig in der Nähe des Mundes bleibt. Gerade das macht ihn so unangenehm. Er wirkt nicht wie etwas, das angreift – sondern wie etwas, vor dem man instinktiv zurückweicht.
In Tamaras Kopf steht der Flüsterer für all die Gedanken, die niemals laut ausgesprochen werden mussten. Für Bemerkungen, Blicke, Zweifel und kleine Sätze, die einst von außen kamen und längst eine eigene Stimme angenommen haben. Er schreit nicht. Er muss es nicht. Je stiller es wird, desto deutlicher hört Tamara ihn. Manchmal wiederholt er Dinge, die tatsächlich einmal zu ihr gesagt wurden. Manchmal verändert er sie. Und manchmal erfindet er neue – und doch klingen sie für Tamara so vertraut, als wären sie schon immer da gewesen.
Darum wirkt er auch nicht wütend oder aggressiv. Der Flüsterer will Tamara nicht überzeugen. Er geht davon aus, dass sie ihm längst glaubt. Mit seinen großen Augen beobachtet er sie, die Hand nah am Mund, als würde er etwas sagen, das nur sie hören kann. In Tamaras Welt ist er die Verkörperung ihrer Selbstzweifel und jener leisen, hartnäckigen Gedanken, die immer dann zurückkehren, wenn alles andere verstummt.
Manche Gegner in einem Kopf sehen nicht aus, als wollten sie dich zerreißen. Manche richten den größeren Schaden an, indem sie einfach neben dir stehen und so leise sprechen, dass du glaubst, die Stimme käme von dir selbst.